Kulturschaufenster

Auf gute Nachbarschaft zum FARB: Der Dritte Ort Borken

Die Funktion von Dritten Orten machen sich seit mehreren Jahren Kultureinrichtungen konzeptionell zu eigen. Thematisch mit Stadt- und Raumentwicklung verbunden, stellt das die Frage in den Mittelpunkt, wo sich Kultureinrichtungen als Mitgestalter des öffentlichen Lebens räumlich in Städten verorten können und sollten.

Sie bieten den demokratisch notwendigen Zugang zur kulturellen Infrastruktur für alle – grade vor der Kulisse des ländlichen Raumes. Gleichzeitig wandeln sie sich zu Orten, an denen man ein zweites Zuhause finden kann, in einer Zeit, in der immer mehr Menschen alleine leben und sich der öffentliche Diskurs auch ins digitale verlagert. Sie stellen im Idealfall ein „öffentliches Wohnzimmer“ dar. Durch Kooperationen mit Organisationen und Angeboten vor Ort können sie so zu zentralen Orten einer Stadt werden. Sie gestalten sich von Beginn an anschlussfähig.

In Borken ist der Dritte Ort daher ein verzahntes kultur- und städtebauliches Projekt, das die Zentrumsfunktion der Stadt auch im kulturellen Bereich ausbaut. Die Idee sieht eine Verbindung der kommunalen Musikschule mit der Remigius-Bücherei als Stadtbücherei sowie einem gastronomischen Angebot vor. Entlang der „Kulturachse“, einem Abschnitt der Innenstadt an dem sich mehrere Kultureinrichtungen aufreihen, soll sich der Dritte Ort idealerweise räumlich verorten lassen. Damit soll die Attraktivität des Stadtzentrums der Flächenstadt erhalten bleiben. Die Frequenz für umliegende Einrichtungen des Handels und der Gastronomie würde so über Kultureinrichtungen zusätzlich geschaffen. Rein nach Zahlen der Nutzer*innen von Bibliothek und Musikschule rund 1.700 Personen in der Woche, ohne Begleitung und ohne zusätzliche Angebote – es verbleibt also noch Potential für mehr. Für die Mittelstadt Borken ist das eine beachtliche Zahl. Einer Abwanderung von Angeboten ins Digitale oder gar dem ersatzlosen Verlust könnte damit gegengesteuert werden. Die soziale Funktion der Innenstädte und die Begegnung mit anderen Lebensentwürfen bliebe mit dem Konzept eines Dritten Ortes erhalten. Kultur trägt damit einen Teil zur Lösung der vielschichten Herausforderungen in der Stadtentwicklung und einer demokratischen Gesellschaft bei.

Über das Landes-Förderprogramm „Dritte Orte im ländlichen Raum“ konnte Borken in der ersten Förderphase der Jahre 2019-2020 ein Testlabor für diese Idee eröffnen. Zentral gelegen und ein leerstehendes Ladenlokal nutzend, konnte das 3ECK die Idee des Dritten Ortes greifbarer machen. Es boten sich durch das Erleben des Konzeptes zahlreiche Anknüpfungspunkte, welche die Idee in der Bürgerschaft verankern. Personen, Vereine und Gruppen beteiligten sich am Konzept, weil die Idee mit dem 3ECK eine Adresse erhalten hatte. Die Akzeptanz des Projektes ist weiterhin durch die breite politische Zustimmung und das umfassende Interesse der Bürger*innen Borkens gegeben.

Das Vorgehen mittels eines Testlabors für die Idee gab zusammen mit der Verknüpfung von Stadt- und Kulturentwicklung den entscheidenden Ausschlag für die Bewilligung der zweiten Förderphase. Damit kann die Kreisstadt nun zentrale weitere Fragen mit umfangreicher Bürgerbeteiligung klären. Denn wichtig ist vor allem die Lage: Sollen Dritte Orte ihre volle Kraft entfalten, braucht es dazu einen Standort mitten im Leben einer Stadt. In Borken bietet sich dafür eine Verortung auf der Kulturachse (siehe voriger Eintrag in diesem Blog) an. In direkter Nachbarschaft zum FARB könnte somit ein weiterer kultureller Ort seinen Beitrag zu einer attraktiven Innenstadt leisten.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form auch im Magazin „Netzwerk Innenstadt“, Ausgabe 2/20.

Der Dritte Ort wird in Borken partizipativ entwickelt – die Ideen der Bürger*Innen werden umfangreich eingebracht.
Das Konzept eines Dritten Ortes ist für viele Kultureinrichtungen ein vielversprechender Ansatz zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung.