Kulturschaufenster

KULTURSCHAUFENSTER
07. Januar 2021

Auf gute Nachbarschaft zum FARB: Der Dritte Ort Borken

Sie bieten den demokratisch notwendigen Zugang zur kulturellen Infrastruktur für alle – grade vor der Kulisse des ländlichen Raumes. Gleichzeitig wandeln sie sich zu Orten, an denen man ein zweites Zuhause finden kann, in einer Zeit, in der immer mehr Menschen alleine leben und sich der öffentliche Diskurs auch ins digitale verlagert. Sie stellen im Idealfall ein „öffentliches Wohnzimmer“ dar. Durch Kooperationen mit Organisationen und Angeboten vor Ort können sie so zu zentralen Orten einer Stadt werden. Sie gestalten sich von Beginn an anschlussfähig.

In Borken ist der Dritte Ort daher ein verzahntes kultur- und städtebauliches Projekt, das die Zentrumsfunktion der Stadt auch im kulturellen Bereich ausbaut. Die Idee sieht eine Verbindung der kommunalen Musikschule mit der Remigius-Bücherei als Stadtbücherei sowie einem gastronomischen Angebot vor. Entlang der „Kulturachse“, einem Abschnitt der Innenstadt an dem sich mehrere Kultureinrichtungen aufreihen, soll sich der Dritte Ort idealerweise räumlich verorten lassen. Damit soll die Attraktivität des Stadtzentrums der Flächenstadt erhalten bleiben. Die Frequenz für umliegende Einrichtungen des Handels und der Gastronomie würde so über Kultureinrichtungen zusätzlich geschaffen. Rein nach Zahlen der Nutzer*innen von Bibliothek und Musikschule rund 1.700 Personen in der Woche, ohne Begleitung und ohne zusätzliche Angebote – es verbleibt also noch Potential für mehr. Für die Mittelstadt Borken ist das eine beachtliche Zahl. Einer Abwanderung von Angeboten ins Digitale oder gar dem ersatzlosen Verlust könnte damit gegengesteuert werden. Die soziale Funktion der Innenstädte und die Begegnung mit anderen Lebensentwürfen bliebe mit dem Konzept eines Dritten Ortes erhalten. Kultur trägt damit einen Teil zur Lösung der vielschichten Herausforderungen in der Stadtentwicklung und einer demokratischen Gesellschaft bei.

Über das Landes-Förderprogramm „Dritte Orte im ländlichen Raum“ konnte Borken in der ersten Förderphase der Jahre 2019-2020 ein Testlabor für diese Idee eröffnen. Zentral gelegen und ein leerstehendes Ladenlokal nutzend, konnte das 3ECK die Idee des Dritten Ortes greifbarer machen. Es boten sich durch das Erleben des Konzeptes zahlreiche Anknüpfungspunkte, welche die Idee in der Bürgerschaft verankern. Personen, Vereine und Gruppen beteiligten sich am Konzept, weil die Idee mit dem 3ECK eine Adresse erhalten hatte. Die Akzeptanz des Projektes ist weiterhin durch die breite politische Zustimmung und das umfassende Interesse der Bürger*innen Borkens gegeben.

Das Vorgehen mittels eines Testlabors für die Idee gab zusammen mit der Verknüpfung von Stadt- und Kulturentwicklung den entscheidenden Ausschlag für die Bewilligung der zweiten Förderphase. Damit kann die Kreisstadt nun zentrale weitere Fragen mit umfangreicher Bürgerbeteiligung klären. Denn wichtig ist vor allem die Lage: Sollen Dritte Orte ihre volle Kraft entfalten, braucht es dazu einen Standort mitten im Leben einer Stadt. In Borken bietet sich dafür eine Verortung auf der Kulturachse (siehe voriger Eintrag in diesem Blog) an. In direkter Nachbarschaft zum FARB könnte somit ein weiterer kultureller Ort seinen Beitrag zu einer attraktiven Innenstadt leisten.

Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form auch im Magazin „Netzwerk Innenstadt“, Ausgabe 2/20.

Der Dritte Ort wird in Borken partizipativ entwickelt – die Ideen der Bürger*Innen werden umfangreich eingebracht.
Das Konzept eines Dritten Ortes ist für viele Kultureinrichtungen ein vielversprechender Ansatz zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung.
KULTURSCHAUFENSTER
02. Oktober 2020

Kultur als Motor: Das FARB auf der Borkener Kulturachse

Das FARB liegt nicht nur umgangssprachlich in der Mitte der Kreisstadt Borken, es liegt räumlich ebenfalls ungefähr mittig in einem großen städtebaulichen Projekt der Stadt Borken, der Borkener Kulturachse. Das Vorhaben beschreibt das Ziel, kulturelle Einrichtungen zentral in der Innenstadt Borkens zu verankern. Das FARB bildet dabei seit seiner Eröffnung den Schwerpunkt der Achse. Es wird bereits jetzt von weiteren Angeboten ergänzt und diese Angebote nun weiter ausgebaut. Zusammen stellen die Punkte entlang der Kulturachse das Vorhaben dar, Kultur als Motor für eine lebendige Innenstadt zu nutzen.

Um Borken als Standort weiterhin attraktiv zu halten, ist es ein erklärtes Ziel der Politik und Verwaltung Borkens, die Innenstadt lebendig zu gestalten. Eine Stadt mit Aufenthaltsqualität bietet Lebensqualität, was wiederum als „weicher Standortfaktor“ eine wichtige Komponente für die Bürgerschaft sowie für die Gewinnung von Unternehmen und Fachkräften darstellt.

Die Kulturachse verbindet die größte Bühne der Stadt im Vennehof mit dem kulturellen Ort FARB bis hin zum Rathaus der Stadt Borken in der Straße am Piepershagen. Folgt man der Achse von Anfang bis Ende, passiert man dabei das Einkaufscenter im Vennehof und die Goldstraße sowie den Marktplatz, die Einkaufsstraßen der Stadt. Die „Achse“ verläuft folglich quer durch die Borkener Innenstadt, sie verbindet Handel, Gastronomie, historische Orte und kulturelle Angebote. Das FARB wird mit seiner Eröffnung im Jahr 2020 der neueste Baustein auf dieser „Achse“ sein. Das Rathaus der Stadt Borken soll sich mit Beginn der 2020er Jahre vor allem räumlich zu einem Bürgerhaus wandeln. Das Bürgerbüro öffnet sich zum Stadtraum und damit in Richtung der Kulturachse. Das Stadtarchiv erhält im Zuge dessen am Rathaus einen zeitgemäßen Neubau, in dem erstmals ein Lesesaal zu recherchezwecken installiert wird.

Der Vennehof beinhaltet seit den 1970 Jahren die Stadthalle Borkens und wird von Musiker*Innen immer wieder für seine hervorragende Akustik geschätzt. Die viel frequentierte Bühne und das Gebäudeensamble an sich werden in den nächsten Jahren Schrittweise saniert. Der Vennehof stellt gleichzeitig die Spielstätte der Kulturgemeinde Borken e.V. dar, einem wesentlichen Kulturträger der Kreisstadt. Das vielfältige Programm umfasst Theaterstücke, Konzerte, Comedy sowie hochkarätig besetzte Kinder- und Jugendaufführungen.

Neben den drei Schwerpunkten Vennehof, FARB und Rathaus befindet sich noch der historische Diebesturm – inzwischen Trauzimmer der Stadt – sowie die Gedenkstätte zur ehemaligen jüdischen Synagoge auf der „Achse“.

Der nächste Baustein auf der Kulturachse ist das Projekt „Ein 3. Ort für Borken“, mit dem sich Borken auf den Weg macht, die Borkener Stadtbibliothek, die Musikschule sowie eine Gastronomie konzeptionell und räumlich zu verzahnen. Hierzu wurde das Testlabor 3ECK auf der Achse eingerichtet. Es soll das Vorhaben für Bürger*Innen erlebbar machen und das Konzept für den späteren 3. Ort ausarbeiten – ein Test unter realen Bedingungen.

Mehr zum Konzept ein 3. Ort im nächsten Artikel an dieser Stelle oder auf 3ortborken.de.

Plan der Kulturachse.