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Sammeln ist Passion!

Zu Besuch bei Ehepaar Wolters aus Borken

 

Im Rahmen der Sonderausstellung „Samuel Jessurun de Mesquita Fantasien“ bereichern das FARB Forum Altes Rathaus Borken seit dem 11. Dezember 2021 rund 160 Glanzstücke aus der Sammlung des Borkener Ehepaars Wolters. Dass eine der renommiertesten Privatsammlungen des niederländischen Grafikers aus Borken stammt und nun im FARB gastiert, ist ein wahrer Glücksfall und ermöglicht es unserem Team, bei einem Besuch vor Ort einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

 

Hereinspaziert! Ein Haus voller Kunst

Dass Christian Ortwin Wolters und seine Frau Maria aus Leidenschaft sammeln, lässt sich bei unserem Besuch bereits in den ersten Sekunden zweifelsfrei feststellen. Das Ehepaar lebt ganz unmittelbar mit ihren zahlreichen Sammlungsstücken. In einer Mischung aus Faszination und Reizfülle bleibt eines festzuhalten: freie Wandfläche ist ein rares Gut im Hause Wolters, was der Gastgeber gleich treffend kommentiert: „Wir haben das ganze Haus zugepflastert mit Mesquita.“ Denn auch wenn durchaus andere Künstler in der Sammlung vertreten sind, so dominieren die Arbeiten des niederländischen Grafikers.

Die Begeisterung für de Mesquita entdeckte das Ehepaar bereits 1980 in Amsterdam. Fasziniert von der handwerklichen und ästhetischen Perfektion der Holzschnitte und schockiert von dem tragischen Schicksal, das de Mesquita und seine Familie 1944 durch die Gefangennahme und Deportation durch die Nationalsozialisten ereilte, widmete sich das Ehepaar in Folge verstärkt der Akquise seiner Arbeiten und intensivierte die Bemühungen, de Mesquita auch in Deutschland bekannter zu machen.

 

Sammelleidenschaft – ein Leben lang

Auf die Frage, wie seine Passion für das Sammeln geweckt wurde, verweist C.O. Wolters auf seine Schulzeit, in der er mit Söhnen von Kunsthändlern befreundet bereits früh das Interesse für Kunst und Antiquitäten entdeckte. Als Student schon sammelnd aktiv, ergatterte er unter anderem einen Offset-Druck von Horst Janssen für damals recht erschwingliche fünf Mark. Seine Sammelleidenschaft beschränkt sich dabei nicht nur auf künstlerische Arbeiten – auch zahlreiche Uhren und antikes Mobiliar zählen zu seinem Besitz. Über das Sammeln hinaus bemühte sich Wolters stets, die eigene Arbeitswelt im Holz- und Baustoffhandel mit kulturellen Impulsen zu verknüpfen. Als Highlight aus diesen Bestrebungen nennt er unter anderem eine Vietnamwoche in Borken, in der zahlreiche vietnamesische Künstler Holzschnitte fertigten und Kleinmöbel verkauft wurden.  

 

De Mesquita und Japan – eine schicksalshafte Verbindung

Nachdem sich unser Blick im Hause Wolters nun doch von den Kunstwerken lösen kann, gibt es zum Einstand grünen Tee aus Fernost, was die perfekte Überleitung schafft: die Begeisterung der Japaner für die Arbeiten de Mesquitas.

Denn die Werke, die derzeit im FARB Borken gastieren, sind weit gereist und haben vor allem in Japan einen nachhaltigen Begeisterungssturm ausgelöst. Dort entpuppte sich unter anderem die Werkschau in der Tokyo Gallery Station 2019 zu einem echten Kassenschlager: 47.000 Besucherinnen und Besucher in 6 Wochen, 8.000 verkaufte Kataloge, T-Shirts und Jutebeutel mit Mesquita-Motiven als beliebte Souvenirs sowie Warteschlangen vor den Einlässen prägten in den Sommermonaten das Bild rund um das Bahnhofsviertel Tokyos.

Die Faszination der Japaner über den bislang dort wenig bekannten Amsterdamer Grafiker ist offenkundig: „Wieso kannten wir den bloß nicht?!“ lautet einer der O-Töne aus der Ausstellung.

„Japan ist die Wiege des Holzschnittes“, erklärt Christian Ortwin Wolters. Dass das Land der aufgehenden Sonne mit seiner reichen Tradition an Druckgrafik in Mesquitas Oeuvre eine Art Seelenverwandtschaft entdeckt, erscheint dabei nahezu als logischer Schluss. Denn das Beeindruckende an de Mesquitas Kunst ist die Intensität des Ausdrucks - vor allem in seinen Holzschnitten. Seine kühnen, scharfkantigen Kompositionen, die den Kontrast zwischen Licht und Schatten ausnutzen, üben eine starke Wirkung auf die japanischen Betrachterinnen und Betrachter aus, die sicher auch den Einfluss der japanischen Ukiyo-e-Holzschnitte in ihrer vereinfachten Komposition und dem klaren Ausdruck wiedererkennen.

Der Austausch mit Ostasien soll möglichst weitergehen. Gemeinsam mit der japanischen Kuratorin Michiko Sagawa wird an weiteren Formaten gefeilt. Zwar erschwert die pandemische Lage derzeit eine genaue Planung, doch bleibt ein gemeinsamer Traum, die japanische Druckkunst und de Mequitas Schaffen in einer dialogischen Schau präsentieren zu können.

 

De Mesquita in Borken – zwischen Heimspiel und Fernweh

Lassen die Schilderungen über die japanischen Projekte ein gewisses Fernweh erkennen, so ist das jetzige Heimspiel in Borken dennoch eine willkommene Station. Das 2020 neu eröffnete FARB bot einen geeigneten professionellen Rahmen, die hochkarätige Sammlung nach der internationalen Schau auch in ihrer Heimatstadt ausstellen zu können. Mit rund 159 Werken über drei Etagen entstand eine der größten monographischen Schauen zu Mesquitas Oeuvre. Mit dem Fokus auf die weniger bekannten und selten ausgestellten Fantasiedarstellungen setzte das FARB überdies eigene Akzente.

Seine Schätze in Borken zu sehen, eröffne auch neue Perspektiven für ihn selbst, so Wolters. Faszinierend sei die Tatsache, dass er – als Kenner de Mesquitas – in den reichen Bildwelten des virtuosen Grafikers stets neue Details entdecke.

 

Herzlichen Dank an Frau und Herrn Wolters für die Gastfreundschaft und die Bereicherung, die der Stadt Borken mit dieser großen Schau im FARB zu Teil wird.